To be, or not to be, that is the question

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Ja, der alte Shakespeare. Der hatte es ja auch noch einfach. Würde er in der heutigen Zeit leben, wäre seine Frage wohl eher "selbst wechseln oder wechseln lassen" gewesen ...

35 Euro. 35 Euro! So viel kostet der Radwechsel inzwischen bei meinem örtlichen Autohändler. Vor Corona waren es noch irgendwas um die 16 Euro, also mehr als verdoppelt.
Dafür gibt es an zwei Räderwechsel-Wochenenden den "Boxenstopp in nur 20 Minuten". 20 Minuten für 35 Euro macht 105 Euro die Stunde. Für Radwechsel. Sportlich - und damit meine ich nicht die 20 Minuten.

Ich verdiene keine 105 Euro die Stunde, noch nicht einmal die 35 Euro pro Stunde. Netto (weil ich es ja davon bezahlen muss) erst Recht nicht.
Also ist jetzt die Zeit gekommen noch einmal Geld in die Hand zu nehmen und sich davon Werkzeug zu kaufen um die Radwechsel zukünftig selbst zu machen. Ist nicht nur eine Frage des Preises, bis es sich rentiert. Denn auch mit dem "Boxenstopp-Tempo" bleibt es immer noch Aufwand, selbst wenn man den Wagen mit den Rädern in die Werkstatt bringt: Termin machen, Reifen einladen, Wagen am Vorabend hinbringen und am nächsten Tag abholen (oder alternativ die Räder hinbringen und die Zeit des Wechselns warten). Das Hinbringen der Räder kann man sich freilich sparen, wenn man bereit ist weitere 50 Euro pro Saison für die Einlagerung in der Werkstatt zu bezahlen, dann ist allerdings die Felgenwäsche im Preis mit enthalten. Doch die 170 Euro pro Jahr ((35 Euro Reifenwechsel + 50 Euro Einlagerung) x 2 Saisons) spare ich mir lieber mit Hilfe der eigenen Garage und des neu gekauften Werkzeugs zum Reifenwechsel. Denn - wie ich heute herausgefunden habe - ich benötige für den Reifenwechsel selbst knapp eine Stunde (mit allem: Vorbereitung, Aufbocken, wechseln, einlagern, aufräumen), sprich: 15 Minuten pro Reifen. Und dafür mindestens 35 Euro gespart die ich selbst in einer Stunde mit meinem Job nicht verdienen kann. Ich müsste ~ eine Stunde und 45 Minuten im Büro arbeiten um den Radwechsel zu bezahlen (zzgl. Terminabsprache sowie Hin- und Rückfahrt zur Werkstatt). Lohnt sich einfach nicht mehr.

Benötigtes Material

  • Kupferpaste oder -spray (zum Einsprühen de Schrauben, damit diese nicht festrosten und sich leichter lösen lassen) (nicht bei Alufelgen / -schrauben)
  • Keramikspray (zum Einsprühen der Radnaben, damit diese nicht festrostet und sich leichter lösen lassen) (bei Aluschrauben auch für die Schrauben)
  • Montagehandschuhe (um die Hände nicht zu verschmutzen)
  • Decke (zum Hinknien und Ablegen von Werkzeug und Schrauben, so dass diese nicht durch die Gegend rollen und schmutzig werden)
  • Wagenheber (wozu wohl?)
  • Drehmomentschlüssel (um die Schrauben auch mit der exakt richtigen Kraft anzuziehen)
  • Teleskopratsche (um Schrauben einfacher lösen und festziehen zu können)
  • alte Tücher (um dann falls notwendig doch mal was sauber zu machen)
  • Drahtbürste (um evt. vorhandenen losen Rost wegbürsten zu können)
  • Kreide zum Beschriften der Räder (rechts vorne / links hinten / ...)
  • Bremsenreiniger (falls mal was an die Bremsscheibe kommt)

Los geht's

  • Wagen auf einer festen, geraden Fläche parken, Gang einlegen und Handbremse anziehen
  • alle Zierkappen und/oder Schraubenabdeckungen entfernen, denn hier gibt es durch den Bremsstaub die ersten schmutzigen Finger, danach also direkt Hände waschen um nicht Werkzeug & Co mit Bremsstaubabrieb zu versauen
  • die neuen Räder (mit einem einachsigem Dreiseitenkipper) alle schon einmal an die richtigen Stellen verteilen, dabei auf die Laufrichtung des Rades achten
  • die Radschrauben mit der Teleskopratsche schon einmal etwas ablösen solange das Rad noch auf dem Boden ist
  • Wagen mit dem Wagenheber aufbocken
  • alle Schrauben komplett lösen und Rad entfernen
  • Keramikspray auf die Radnabe, Kupferpaste auf die Schrauben (nicht bei Alu - dann Keramikspray)
  • neues Rad und Schrauben befestigen, Schrauben erst handfest und dann mit Teleskopratsche etwas fester anziehen, so dass das Rad gerade sitzt
  • Wagen absenken und mit richtig eingestelltem Drehmomentschlüssel festziehen
  • Reifenluftdruck kontrollieren und ggf. korrigieren

Freilich: bis ich so schnell bin wie diese Jungs hier ... Alle vier Räder gewechsel in unter 3 Sekunden.

Diesen Blogeintrag widme ich meinem Arbeitskollegen Tobias, der mir für etwas Haribo gezeigt hat, wie man Räder einfach und richtig wechselt.

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