Saisonstart mit Überraschungen

Doch schon Samstag kam dann die erste Überraschung: ich bekomme eine Mail vom Tourguide, der die Tour auf Grund seiner Erkältung absagt.

Ebenso überrascht sein dürfte der Bürgermeister von Kesseling, der am liebsten so etwas wie eine Streckensperrung auf dem Weg zum Nürburgring am 7. April gehabt hätte - jedoch konnte eine solche Aktion nicht so stattfinden, denn auch wenn Anwohner sich gestört fühlen - wenn jeder, der den Verkehr an der Straße vor seinem Haus einfach so blockieren könnte - man könnte in ganz Deutschland nur noch zu Fuß gehen.
Klar, alle dürfen für das öffentliche Straßennetz zahlen, aber fahren sollen sie doch bitte woanders.
Den Ring gibt es jetzt über 90 Jahre. Aber immer noch sind die Leute, die dort wohnen überrascht, dass zu Veranstaltungen tatsächlich Personen anreisen. Und ich dachte, dass hätte sich in den letzten 90 Jahren herumgesprochen ...

Nun gut, dann fahre ich selber eine Tour, die ich erst gestern noch in der Revision "3" verfeinert habe: so lange an einer Tour arbeiten, bis sie perfekt ist.
Denn die Routenplanung am PC ist schon nicht schlecht, aber erst der tatsächliche Weg zeigt, an welchen Stellen man die Tour überarbeiten muss. Und zu meiner Überraschung habe ich heute festgestellt, dass eine Revision "4" notwendig ist.

Während der Fahrt erscheint auf einmal das Schild "50". An und für sich nichts Ungewöhnliches, der Grund für die "50" hingegen hat mich schon überrascht: Frösche!
Da ist ein Streckenabschnitt tatsächlich auf "50" reduziert worden - wegen Fröschen! (Später entdecke ich auf weiteren Waldstraßenabschnitte weitere Tempo 50 Zonen, diese sind jedoch teilweise wenigstens auf Zeiten von 19-5 Uhr o. ä. reduziert.) Aber ganztägig "50" wegen Fröschen?
Und während ich noch dankbar bin, dass die Straße nicht ganz gesperrt wird um einer Ameisenkolonie das gefahrlose Überqueren auch ohne extra Ampelschaltung zu ermöglichen, frage ich mich, warum der Verkehr nicht komplett unter den Wald in einen Tunnel verlegt wird, um so auch das massenhafte Sterben von Marienkäfern an Frontscheiben und Visieren zu vermeiden. Himmel, kann denn nicht einer wenigstens einmal an die Insekten denken?
PETA fände das bestimmt gut!

Irgendwann komische ich dann an einem Nachbarsort vorbei, und entdecke zu meiner Überraschung hunderte von Motorrädern ...
Ach, ja. Hier findet ja auch immer zeitgleich mit dem Anlassen auf dem Nürburgring auch ein eigenes Anlassen statt. Zeitgleich - sehr clever!?

Aber ich will ja nicht teilnehmen, um mit hunderten von Maschinen im Korso zu fahren. Das finde ich eher suboptimal. Persönlich halte ich ja schon Gruppen von sechs Maschinen als grenzwertig, aber hunderte ... dass ist mindestens eine zu viel: mich.

Der Rest der Tour verläuft unspektakulär, hin und wieder notiere ich mir eine paar Straßen die in der kommenden Revision dann doch aus der Tour herausfliegen und durch andere Abschnitte ersetzt werden.
Doch der zweite Grund der Tour - der Test des Sitzkissens - fällt überraschend aus: das Sitzkissen ist nichts. Für mich!
Im Prinzip sicher nicht schlecht und für längere Touren bei denen es eigentlich mehr um das Ziel geht (z. B. die Tagestour zur Schweiz oder auch die Anreise nach Frankreich) bei denen es dann auch gerne mal 600 bis 800 km Landstraße pro Tag sein können - OK. Aber wenn es nur kleine Touren mit ~300km sind, dann trübt der Sitzkomfort doch die Fahrdynamik. Trotz mehrfachen Anpassens des Luftkissens (mehr / weniger Luft), bleibt der enge, vordere Kontakt zum Sattel am besten, wenn sich keine Luft im Kissen befindet. Aber dann kann ich es ja auch einfach weglassen.

Auf den letzten Metern des Heimwegs trifft mich es mich dann doch noch unerwartet: noch nie (wirklich noch nie!) habe ich es erlebt, dass die Polizei am Tage des "Anlassens" Kontrollen vornimmt. Ob aus Rücksicht oder aus welchen Gründen auch immer - bisher habe ich so etwas noch nie erlebt. Bis heute.
An einem Parkplatz tritt einer der Beamten forsch auf die Straße und winkt mich mit Kelle in die Einfahrt hinein.
Blitzschnell schießt es mir durch den Kopf, was sein könnte: ein paar Meter zuvor hatte ich einen nach rechts abbiegenden Wagen in einer größeren Kurve umfahren, um nicht auf sein Abbiege-Tempo runterdrosseln zu müssen. Dabei habe ich wohl die durchgezogene Linie touchiert. Und als ich den Polizisten mit der Kelle habe winken sehen, habe ich schnell noch einmal auf den Tacho gesehen, der so viel zu viel zeigte, dass - falls überhaupt - es einen Fünfer kosten würde.
Ich stelle den Motor ab und noch während ich den Helm öffnen möchte und auch Anstalten mache ab zu steigen, höre ich ein "Sie können sitzen bleiben". Ein Kollege des Herren mit der Kelle macht eine stramme 4 Sekunden Runde um meine Maschine, geht weg und sagt: "Sie können weiterfahren". Ein 4 Sekunden Stopp hat ja schon fast Formel-1 Niveau!
Ich bin zucke überrascht die Schultern und stammele ein "Was?" hervor.
"Kontrolle ob irgendwelche nicht zugelassenen Bauteile montiert sind und ob das Reifenprofil auch stimmt. Aber bei Ihnen ist alles in Ordnung. Gute Fahrt!"

Nun, auch irgendwie kein Wunder. Denn an den Reifen spare ich nicht und die Maschine wurde in der Tat mit den angebrachten Bauteilen so ausgeliefert. Sie gehören dran, funktionieren und sind bezahlt. Warum sollte ich dann noch mal Geld bezahlen, um damit Teile zu erwerben, die ggf. nicht so gut wie das Originalzubehör sind und evt. auch keine Zulassung haben? Nein, alles Original. Und das sieht man den Bauteilen auch an (z. B. dem Auspuff welcher auf Grund seiner Größe und funktionellen Designs liebevoll "Ofenrohr" genannt wird).
Und insofern bin ich vom Ausgang der schnellen Sichtkontrolle der Maschine nicht wirklich überrascht ...
 

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